Es gibt so Augenblicke, die man nicht mehr vergessen kann. Die hat man wie ein Foto im Gedächtnis eingeschweißt. Oder auf jeden Fall bleiben sie einem mehr oder weniger authentisch mehr oder weniger lange hängen. Wenn man die Augen schließt, ist es da, das Bild.
Und es gibt Ohrenblicke oder eher Ohrenlausche, die man auch nicht mehr vergisst. Das sind meist Gesprächsfitzel, die man aufgeschnappt hat von anderer Leute Unterhaltungen. Das geht mir recht oft so und ich schleppe dann relativ lange diese Wortfetzen mit mir herum. Zum größten Teil sind es blöde Dialoge oder lustige manchmal oder halt schockierende, so wie dieser gestern in der M2.
Es saßen zwei Jungs und ein Mädel, vielleicht Anfang 20, am Fenster. Das Mädchen macht die Jungs halb aufgeregt auf das Plakat für eine Veranstaltung in Zusammenhang mit Edgar Allan Poe aufmerksam. Vielleicht ein Theaterstück. Der eine Typ: "Hm... Poe, das ist doch dieser Schriftsteller." Sie: "Ja, genau." "Was hat der denn so geschrieben?" Der andere Typ: "Na, die Sache mit dem Raben, da!" "Kenn ich nicht. Was'n noch so?" Stille. Sie: "Na, hat der nicht... oder... ja... Christmas Carol!" Der andere Typ: "Ach ja, Christmas Carol." Der eine Typ: "Kenn ich nicht."
Autsch, dachte ich, autsch! "Christmas Carol" schallte es noch ewig in meinem Ohr, während die drei zu ihrem eigenen Glück, das Gespräch bestimmt schon wieder vergessen hatten.
Es stimmt, was die Leute sagen - das Leben ist ungerecht, vor allem zu Dir. Und ich kann Dir nur einen Trost bieten: Was Du in all dem Leid und der Einsamkeit zustande bringst, wird Deine Verzweiflung und unsere Grausamkeit bei weitem überdauern.[...]So gesehen, werden wir auf lange Sicht alle gewinnen. Und deshalb entschuldige ich mich im Namen aller, denen Du jemals begegnen wirst, im voraus für allen Kummer, den wir Dir bereiten werde. Dir stehen harte Zeiten bevor, Kleiner. Du bist gewarnt.
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